Leipzscher Stationen
by Lis
Warum nicht mal nach Leipzig? Dachte man sich und setzte sich Samstag kurzerhand in den ICE und ab dafür in Richtung Freistaat-Metropole. Naja: Metropölchen. Aber ein ganz hübsches. Weihnachtstoll offenbar auch: der Weihnachtsmarkt erstreckt sich über die ganze Innen- und Altstadt. Der Markt für sich kann, abgesehen von seiner Größe und einem kleinen mittelalterlichen Naschmarkt-Ableger, nicht so unendlich viel. Da ist die Berlinerin in mir mit den hauptstädtischen Varianten in der Prenzlberger Kulturbrauerei, der klassischen – aber so schönen, seufz – Version am Gendarmenmarkt, am Charlottenburger Schloss, Rixdorfer Markt etc. pp. einfach zu verwöhnt.
Insofern dann an dieser Stelle vorerst nur der klassische Outfit-Post, ganz nach dem Motto: ich auf dem Weihnachtsmarkt in …
Isabel Marant Étoile. Mehr oder weniger von Kopf bis Fuß. Wollmantel, Shirt, Schottenröcken, Boots. Allet. Un no-go und so gar nicht chic, zumindest laut Madame Fressange. Halb so wild, kontere ich. Sieht ja keiner. Immerhin gehe ich eine etwas unfreiwillige Liaison mit der Daunenjacke links hinter mir ein … ein Ausweg aus der diagnostizierten Styling-Misere?
Wie dem auch sei, nach dem Weihnachtsmarkt-Gedrängel zog es uns dinnertechnisch in ruhigere Gefilde: ins Inside Asia in der Gottschedstr. 6. Wo ich mich, neben der reizenden, gar zuckersüßensüßen Besitzerin ein bisschen in die Flattermänner-Deko verliebte. Kraniche, ist klar. Ach so: Essen war durchaus auch lecker, kann man nichts sagen. Leider kann ich mich auch hier von den Berliner Pendants – Dudu! Yumcha Heroes! Toca Rouge! – gedanklich nie ganz lösen … Aber dafür kann das niedliche Inside Asia ja wahrlich nichts.
Den Vino danach nahmen wir in der schnörkellosen, aber ziemlich phantastischen Tapas-Bar mit dem doch sehr unmissverständlichen Namen Barcelona ein. Ebenfalls in der Gottschedstraße. Hier war denn auch enfin mein Berliner Mecker-Ich mundtot.
Mit der fancy hood in Leipzigs Zentrum-West, die sich um die Gottschedstraße rumwindet, hat die Frühstückslokalität unser Wahl nicht viel zu tun. Dennoch bekam es unser höchstes zu vergebendes Prädikat: Echt knorke. Das Café Grundmann, das nach eigener Aussage “letzte Wiener Café in Leipzig”, ist eine wahre Institution in Art-Déco und lockt seit 1919 Leipziger Bohemiens und alle die sich dafür halten, Studenten, Familien, Rentner. Quer durch den Garten also. Stilecht kommen Kaffee und Tee auf dem kleinen silbernen Tablett. Und im Eingangsbereich entzückt eine uralte Apparatur: der Comic-Automat. Aus dem man so super Krams wie das Torten-Malbuch ziehen kann. Sweet. Zu finden ist das Schätzchen in der August-Bebel-Straße 2, Zentrum-Süd.
Bäuche voll, auf ins Museum. Die Kunst ruft, und sie ruft schrill und laut. Und wir hinterher, in die Max-Beckmann-Ausstellung Von Angesicht zu Angesicht im, klar, Museum der Bildenden Künste. Wie der Titel verrät, stehen die Porträtarbeiten Beckmanns im Zentrum. Nicht so sehr für sich selbst, sondern das Porträt fungiert als Medium der Darstellung von Zeitgeschehen und -kritik. Groteske, Clownsmasken, Grünstich als Zeichen morbider Körperlichkeit während und zwischen der Weltkriege. Goldene Zwanziger mal anders. So zumindest hätte der interpretative Duktus der Ausstellung in my humple opinion lauten müssen. Hat er implizit wohl auch, allerdings wurde diese – ich sag´s mal lapidar – Moral von der Geschicht mehr als verschleiert durch die eher mäßig kuratierte, zuweilen etwas unmotiviert zusammengesetzte Ausstellung, die das Augenmerk allzu einseitig auf die biographischen Eckdaten (“den hat Beckmann dann getroffen, den dann, und die .. und der …”) legte und weniger auf die Kunstwerke wie ihre Einbettung in die entsprechende Ära selbst.
Dies war denn die letzte Station auf dem lustvoll bestrittenen Leipzig-Rallye. Vielleicht könnt Ihr ja den ein oder anderen Tip bei Gelegenheit verwerten. Auf jeden Fall aber: Thx for your attention & so long, die Lis.












die kraniche sind toll…fine fine