La Isabel
by Lis
Die Pariser Designerin Isabel Marant, für mich die Vorreiterin einer bislang schmerzlich vermissten – dabei wohl kalkulierten – Lässigkeit innerhalb ihrer Branche, repräsentiert zweifelsohne das Maß an terre-à-terre, das dem etablierten Modemilieu gar zu häufig abgehen mag. Marant möchte dezidiert “echte Kleidung” machen, Stücke also, die von ihrer jeweiligen Besitzerin nicht nach einer Saison – oder gar noch früher – wieder des Kleiderschranks verwiesen werden. Tragbarkeit, Bequemlichkeit, Qualität und ein nach meinem Dafürhalten perfekt ausbalancierter Mix aus Simplizität, bohemian chic, Mädchenhaftigkeit und einem ordentlichen Schuss Ironie markieren die programmatischen Eckpunkte ihrer Kreationen. Derbe Lederhosen zum Seidenchiffon-Blümchentop, streng geschnittene Blazer zu wahlweise bauschigen oder flatternden Röckchen, dazu wenig Make-up, wenig chichi und Tamtam drumherum – so marschieren Marant-Models über die Laufstege. Das gefällt der bourgeoise bohémienne, welche die Großstädte dieser Welt bevölkert und erklärt nicht zuletzt den hype der Marantschen Kollektionen, der sich bis in New Yorker Promi-Kreise durchschlagen konnte. Ihrem eigenen Erfolg gleichsam trotzend, legt Isabel Marant mit ihrem radikalen Hang zur Nachhaltigkeit – zumindest nach den Maßstäben einer latent selbstverliebten fashion community – nahezu einen subversiven Gestus an den Tag, zumal sie sich explizit gegen eine Komponente des Fashionhimmels selbst äußert: leichtfertigen Konsum, dessen einziges Telos nur noch im Konsumieren selbst liegt. Das Paradox lautet wie folgt: Marant stellt die Industrie, deren Teil sie doch letzten Endes ist, zuweilen radikal in Frage. Öffentlich in Erscheinung tritt la Isabel selbst kaum. Dieses Bild, das von Fabrice Guyot aufgenommen wurde und in der aktuellen Gala Style erschien, ist eines der wenigen, das überhaupt in den einschlägigen Magazinen dieser Welt kursiert.


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