Biennale

by Lis

Ach, die Kunst – seufzt Camille inmitten der Französischen Revolution in Büchners so großartigem Drama Dantons Tod. Auf den Pfaden eben dieser Kunst wandelten wir vergangenen Samstag durch die Länderpavillons der venezianischen Biennale (4.6.-27.11), von denen sich 28 in den Giardini im Stadtteil Castello konzentrieren. Andere Räumlichkeiten, von weiteren Staaten angemietet, sind über das ganze Stadtgebiet verstreut. Ich begnüge mich damit, Euch meine drei – zugegebenermaßen nicht ganz zufälligen – Lieblinge vorzustellen: Deutschland, Frankreich und Luxemburg.

Ausgezeichnet mit dem Goldenen Löwen wurde der deutsche Beitrag, noch von Christoph Schlingensief vor seinem Tod im August 2010 geplant, dann von seinem Team unter der Kuratorin Susanne Gaensheimer zu einem fulminanten Ende gebracht. Die handwerklich – ja, Kunst hat nicht zuletzt auch etwas mit Handwerk zu tun – hervorragend gemachte Installation Die Kirche der Angst vor dem Fremden in mir verarbeitet Schlingensiefs Krebserkrankung sowie die damit zusammenhängenden Ängste, mitunter das Hadern mit der eigenen Religiosität angesichts der nahenden Todeserfahrung. Egomania – statt Germania – als Pavillonaufschrift verrät dabei noch vor Eingang, inwieweit es hier um eine rigorose Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich geht.

Gleich gegenüber von Schlingensiefs egomanischem Tempel ging´s zu den Franzosen, genauer Christian Boltanski. Seine Arbeit Chance interpretiert die menschliche Geburt als regelrechte Maschinerie. Visualisiert wird das Ganze qua unendlich fortlaufendem Diaband, welches Babyköpfe aus aller Welt abbildet. Zusätzlich vergegenwärtigen zwei Zähltafeln, eine in grün (Geburten), eine in rot (Todesfälle) dem Kunstbeflissenen in unmissverständlicher Weise die conditio humana. Wer schafft es ins hohe Alter, wer nicht – alles eine Frage der Kontingenz. Und gestorben wird so oder so.

Eine kurze Verschnaufpause von den doch eher heavy Themen der Ausstellungen gab´s bei Bresaola und Espresso in der Pop-Art-Cafeteria, einst gestaltet von Tobias Rehberger. Seine Arbeit wurde im Jahre 2009 dann auch prompt mit dem Goldenen Löwen belohnt.

      

Gen Ende des Tages machten wir, nunmehr abseits des Hauptareals in den Giardini und wieder mitten im Getümmel des Stadtzentrums, einen Abstecher in die luxemburgischen Ausstellungsräume, in denen das Künstlerpaar Martine Feipel und Jean Bechameil auf äußerst ansprechende Weise die traditionellen Vorstellungen von Raum und Orientierung hinterfragt – genauer: wortwörtlich auf den Kopf stellt. Eine recht schlichte, aber durchaus effektvolle und gut gelöste Installation, die Spaß macht.